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Erinnerungen an das Braunkohlerevier Helmstedt

BKB-Museum Heilmstedt

Kein Interesse an einem Bergbaumuseum in Stadt und Landkreis Helmstedt?

Die Familie Pietrek aus Helmstedt versucht mit Herzblut, Arbeit und viel eigenem Geld die Erinnerung an die Braunschweigischen Kohlebergwerke (BKB) aufrecht zu erhalten. Rüdiger Pietrek hat sein kleines privates Museum im Haus "Berlin" der Politischen Bildungsstätte Helmstedt eingerichtet. Die "Bergbaustube“ fristet dort ein provisorisches Dasein.

Die große Geschichte des Bergbaus hat unsere Region geprägt und ist allemal wert, in einem eigenen Museum gewürdigt zu werden. Seitens Politik und Verwaltung scheint es kein Interesse zu geben. Arbeitsaufwand und Folgekosten werden gefürchtet.

Vielmehr wird auf einen fernen "Masterplan“ verwiesen, der auch Orte der Erinnerung an den Braunkohlebergbau vorsieht. Namentlich werden die Schöniger Speere genannt. Sie werden bereits in dem futuristischen Gebäude "Paläon“ präsentiert. Diese frühen Relikte menschlicher Ingenieurskunst sind eine Weltsensation.
Sie repräsentieren aber nicht die historische Bedeutung der BKB für unsere Region. Bis der Masterplan umgesetzt wird, werden noch viele Jahre vergehen. Währenddessen gehen Zeitzeugen, Erinnerungsstücke und denkmalwürdige Artefakte unwiederbringlich verloren. Die jahrhundertealten Bergbautraditionen mit Spielmannszügen und Knappschaften wird kaum noch gelebt.
Es könnte natürlich auch sein, dass die historische Aufarbeitung des Braunkohlebergbaus, insbesondere die Abwicklung des "Braunkohlefolgeplans“ unbequeme Wahrheiten zu Tage fördern könnten.

Wer ohne Geschichte lebt, kennt die Gegenwart nicht und hat keine Zukunft. Seit 1795 prägte der Bergbau die Region. 1872 fiel der Bergbau in die Hände von Banken (Investoren). Es entstanden die Braunschweiger Kohlenbergwerke. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Kohlebergbau in einmaliger Eintracht zwischen der DDR und der Bundesrepublik aufgeteilt. Zwei vollkommen unterschiedliche, verfeindete Staatsformen waren sich im Streben nach Gewinnen einig. Dafür wurde sogar die menschenverachtende, tödliche Grenze "flexibel gehandhabt“. Die Aussicht auf einen Arbeitsplatz im Bergbau lockte viele Familien an und ließ die Gemeinden stark anwachsen.

Der Bergbau war rücksichtslos.
Vier Dörfer fielen dem Tagebau zum Opfer:

Wulfersdorf, Büddenstedt, Runstedt, Alversdorf.

Die Kirche von Büddenstedt wurde am Karfreitag des Jahres 1943 gesprengt.

Als sich ein Ende der Braunkohlegewinnung abzeichnete, begann der Ausverkauf; erst innerhalb Deutschlands - dann ins Ausland – tatsächlich bis ins ferne China. Mit verkauft wurden die Verantwortlichkeiten für die Folgen des Bergbaus. 2016 wurde die letzte Kohle im Tagebau Schöningen abgebaut. 2020 endete die Reservebereitschaft für das Kraftwerk Buschhaus. Leider zu früh für die Berücksichtigung bei den riesigen Transformationsmitteln. Helmstedt ging nahezu leer aus. Verblieben sind die BKB-Nachfolgeorganisationen, die weiter Gewinne erzielen wollen.

Die Kommission für "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ verteilte ab 2019 die Gelder in andere Braunkohlefolgegebiete. Das Investitionsgesetz Kohleregionen ist seit August 2020 in Kraft. Die Bundesrepublik Deutschland stellt für Maßnahmen zur Unterstützung des Strukturwandels in den Braunkohleregionen und 2 an den Steinkohlekraftwerkstandorten bis zu 41,09 Mrd. € zur Verfügung. Die nachgeschobenen 90 Millionen Euro für unsere Region sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie waren wegen der engen Förderbedingungen kaum nutzbar. Gezwungener Maßen wurden die Förderrichtlinien angepasst. Jetzt können auch Unternehmen direkt davon profitieren. Allerdings werden die Mittel von der gesamten Region beansprucht.

Nach dem Gesetz muss der Verursacher die Verwüstungen in der Landschaft beheben und auch bezahlen – mehr aber auch nicht. Die neuen Eigentümer dürfen natürlich weiterhin Gewinne erzielen, was sie auch machen. Es ist zu befürchten, dass nicht viel mehr passieren wird, als bei den schon renaturierten Gruben. Ufer befestigen, Anpflanzungen machen und die Gruben mit Wasser volllaufen lassen. Anschließend werden die Gebiete möglichst spät aus der Bergaufsicht entlassen.

Bleibt zu hoffen, dass sich für die Zukunftsvision des "Masterplans“ Investoren finden werden. Die Flächen dürfen nicht zu einem Selbstbedienungsladen werden. Grundstücke und Einrichtungen am See müssen der Allgemeinheit dienen.

Die Braunkohleförderung hinterließ eine verwüstete Landschaft und einen verwüsteten Arbeitsmarkt. Die BKB bot einst gut bezahlte Industriearbeitsplätze und ein auskömmliches Arbeitsumfeld. Gut ausgebildete Arbeitskräfte wurden dringend gebraucht. Konkurrierende Industrie wurde nicht geduldet. Viele Menschen siedelten sich an.

Auf einmal waren die Arbeitsplätze weg.
Als Ersatz boten sich die Industriearbeitsplätze in der Automobilwirtschaft an. Die Arbeitnehmer wurden zu einem "fahrenden Volk“ zum Volkswagen-Werk nach Wolfsburg. Auch diese Arbeitsplätze schwinden gerade. Neue, gut bezahlte Industriearbeitsplätze sind dringend erforderlich. Bemühungen um Zukunftstechnologien werden durch Proteste von Umweltaktivisten im Keim erstickt.

Ein BKB-Museum in der Region Helmstedt kann die Geschichte erlebbar machen, die Gegenwart erklären und für die Zukunft Impulse geben. Ernsthafte Bestrebungen der Stadt und des Landkreises Helmstedt, die Geschichte des Braunkohletagebaus zu bewahren sind leider bis heute nicht erkennbar. Danke an Rüdiger Pietrek und seinem Vater, die es überhaupt erst ermöglicht haben die BKB-Vergangenheit im Blick zu behalten.

Im Haus "Berlin" der Politischen Bildungsstätte Helmstedt
01.Juli 2026


Die Erinnerung muss bewahrt werden und zwar jetzt!


"Glück auf"

 


Beitrag von: Wolfgang Schmidt



Weitere Informationen zur BKB-Stube gibt es auch hier...




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