Krankenhaus
Eine Oase in der Wüste der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum
Kurze Wege retten Leben. Der Notruf 112 verspricht ortsnahe Hilfe. Krankenbesuche sind mit dem Nahverkehr möglich. Verkehrsunfallopfer und akute Notfälle können auf kurzen Wegen versorgt werden. Wichtig für uns ist, dass auch Geburten ortsnah betreut werden können und nicht in zentralen "Geburtsfabriken“ wie seinerzeit in der DDR konzentriert werden. Für anspruchsvolle Behandlungen nehmen wir gerne längere Anreisen in Kauf.
Die ärztliche Versorgung im Landkreis Helmstedt ist nicht zum Besten aufgestellt. Das gilt gleichfalls für die hausärztliche Versorgung, als auch der Versorgung mit Fachärzten. Die Versorgungsstatistik ist geschönt. Viele Patienten aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt suchen medizinische Hilfe im nahen Niedersachsen. Sie fließen aber nicht in die Berechnung der Versorgungsquote ein. Kommunen und Landkreis Helmstedt mühen sich nach Kräften die Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten. Sorgen macht uns die Reform des Gesundheitswesens. Fällt ihr unser Krankenhaus zum Opfer?
Niedersachsen hat ein Niedersächsisches Krankenhausgesetz erlassen. Ziel soll die Verbesserung der Versorgungsqualität durch Spezialisierung und Falldichte sein – und vor allem die Kostensenkung. Das Gesetz wurde vor dem Bundesgesetz -Krankenhausreformgesetz- verabschiedet, das offensichtlich die gleiche Zielrichtung, aber andere Lösungsansätze verfolgt. Bund, Land und Kommunen müssen sparen – die Krankenhäuser wollen Gewinn machen. Es geht ums Geld und um Zuschüsse.
Begleitet wird die Entwicklung von Pressekampagnen mit einem Für und Wider, das einen ganz schwindlig macht. Auf dem Land sollen sogenannte Medizinische Versorgungszentren -MVZ- eingerichtet werden. Also analog zum Bank- und Postservice: Krankenhaus weg, dafür MVZ – MVZ weg, dafür ????
Die Denkweise der Entscheidungsträger scheint eine Geringschätzung der Bürgerintelligenz zu sein. Die leidvolle Erfahrung mit Begriffen wie Story (Erzählung) , Wording (Wortlaut) , Framing (einige Aspekte einer wahrgenommenen Realität) hat uns ältere Menschen misstrauisch gemacht.
Bei dem Begriff "Reform“ werden wir hellhörig.
Leider hat sich gezeigt, dass das Feld für Verschlechterung oder gar Abschaffung von als selbstverständlich empfundenen Errungenschaften geebnet wird. Fällt dann die Entscheidung, ist kaum noch Widerstand möglich. Einwohner und Einwohnerinnen erleben in vielen Bereichen, dass der ländliche Raum – ganz speziell unsere Stadt und der Landkreis Helmstedt kampflos aufgegeben wird.
Von vollendeten Tatsachen erfährt man häufig nur aus der Zeitung.
Es wird Gewinner und Verlierer geben. Wir Seniorinnen und Senioren sind selten auf der Gewinnerseite. Die Versorgung " - auch - von demenziellen Erkrankungen“ wird im niedersächsischen Krankenhausgesetz in einem Satz mit der Wirtschaftlichkeit genannt.
Die Helios-Klinik ist ein gewinnorientierter Nachfolger unseres ehemaligen "Kreiskrankenhauses“.
Gewinnstreben und Gesundheitsversorgung sind eigentlich unvereinbar. Auch wenn es kein Niveau wie eine Universitätsklink hat, unser Krankenhaus ist uns wichtig: "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“.
Beitrag und Bild: Wolfgang Schmidt
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