Sicherheitsgefühl von Senioren und Seniorinnen in Helmstedt
Polizeiliche Kriminalstatistik gegen das Unsicherheitsgefühl älterer Menschen
Unser Appell an Polizei und Ordnungsbehörden:
Nehmt unser Unsicherheitsgefühl ernst – es beeinträchtigt unser Leben!
Unsicherheitsgefühl beeinträchtigt ältere Menschen
Das Sicherheitsgefühl von Seniorinnen und Senioren in Helmstedt ist nach Ergebnissen einer Befragung des Seniorenbeirats der Stadt Helmstedt zutiefst gestört. Die vielen Präventionsveranstaltungen schaffen keine Abhilfe. In Gesprächen berichten die Befragten, die unzähligen Tätigkeitsfelder von Kriminellen gegenüber älteren Menschen zu kennen, und auf der Hut zu sein. Viele ältere Menschen bleiben im Dunkeln zu Hause, nehmen Telefonate nicht mehr an, begegnen Fremden grundsätzlich mit Misstrauen, helfen Bittstellern nicht mehr und meiden Parkanlagen und Ansammlungen von bestimmten Gruppen. So wird ein Gefühl zu einer realen und massiven Einschränkung des täglichen Lebens.
Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik ein Instrument zur Beruhigung?
Die alljährliche Verkündigung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) soll dem Gefühl der Unsicherheit entgegenwirken. Im März wurde vom Polizeikommissariat Helmstedt wieder stolz berichtet, dass sich jedermann in Helmstedt sicher fühlen kann. Die in der Presse veröffentlichten schlimmen Taten seien Einzelfälle und sollten nicht verallgemeinert werden. Wer betroffen ist, hat demnach sehr großes Pech gehabt.
Graffiti – wird selten angezeigt und noch seltener aufgeklärt
Ein Beispiel ist die Gefahr der "Verslumung der Innenstadt“ durch Graffiti-Schmierereien. Der Gang durch die vollgeschmierte Innenstadt senkt das Sicherheitsgefühl erheblich. Nur ein Bruchteil der Straftaten wird polizeilich aufgenommen. Bei den angezeigten Taten ist die Aufklärungsquote gleich Null. Da kann man nichts machen?
Straftaten gegen ältere Menschen ein unbeliebtes Tätigkeitsfeld
Straftaten gegen ältere Menschen wurden in vielfältiger Form erfasst. "Nur“ 54 Fälle wurden 2025 festgestellt. Bekannt ist, dass viele Taten nicht angezeigt, bzw. polizeilich aufgenommen wurden. In unserer Befragung wurde bemängelt, dass die Anzeigenaufnahme im Polizeikommissariat manchmal gar nicht so einfach war.
Aufklärungsquote als statistische Zahl sagt gar nichts aus
Im Jahr 2025 hat die Polizei Helmstedt 3298 Straftaten in ihrem Zuständigkeitsbereich aufgenommen. Fast zwei Drittel der Taten gilt als aufgeklärt. Das bedeutet im Ermittlungsverfahren gibt es eine/einen Verdächtigen. Wie es mit der Statistik so ist, verwundert es unsere befragten Seniorinnen und Senioren, dass gerade ihre angezeigten Taten zu dem unaufgeklärten Drittel gehören sollen. Nach kürzester Zeit wurde meist die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft zugesandt.
Häusliche Gewalt – ein Delikt mit bekannten Verdächtigen
Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit ist der Straftatenkomplex "Häusliche Gewalt“ , der unter Körperverletzung geführt wird. Es ist ein Delikt, das sich kaum auf das Sicherheitsgefühl ältere Menschen auswirkt. Durch Verschärfung des Strafrechts ist die Anzahl der angezeigten Taten erheblich vergrößert worden. Bei der statistischen Erfassung ist der Kreativität der Sachbearbeitenden Tür und Tor geöffnet. Jede belegbare Tat ist ein eigener Vorgang. Es gilt das Opferprinzip: Familienmitglieder, die die Tat miterleben mussten, werden zusätzlich in einem Vorgang erfasst. Bei der häuslichen Gewalt ist regelmäßig der Beschuldigte bekannt, selbst wenn beim genauen Hinsehen die Sachverhalte nicht so klar sind. Also viele Taten, die "den Beschuldigten mitbringen“. Die Aufklärungsquote dürfte um 100 Prozent liegen.
Gewalt gegen Polizei und Rettungsdienste erhöht das Unsicherheitsgefühl
Die Polizeibeamten beklagen, dass sie selbst zunehmend Opfer von Gewalt werden. Das gilt ebenso für Feuerwehr- und Rettungsdienste und Beschäftigte in Bussen und Bahnen. Das Beklagen dieser Tatsache beeinträchtigt natürlich unser Sicherheitsgefühl erheblich. Gefühlt steigt die Wahrscheinlichkeit als älterer Mensch Opfer von Gewalt zu werden, wenn selbst ausgebildete Polizisten angegriffen werden.
Kinder als Gewalttäter können nicht bestraft werden
Große Angst macht die zunehmende Gewaltkriminalität von Kindern. Lang und breit wird öffentlich berichtet, dass gegen kriminelle Kinder nichts unternommen werden kann. Kindergruppen mit aggressivem Habitus sind in Innenstädten inzwischen normal. Fußballspielen in der Fußgängerzone macht uns Angst.
Die PKS zeigt nur die Straftaten im Licht – die im Dunkeln sieht man nicht
Bestimmte Straftaten tauchen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erst gar nicht auf, weil sie im "Dunkelfeld“ verbleiben. Klassisches Beispiel ist die Rauschgiftkriminalität. Kriminologisch ist sie eine sogenannte "Holkriminalität“. Jeder weiß, dass Drogen an bestimmten Orten und zu allen Zeiten erhältlich sind. Durch die Teillegalisierung von Cannabiskonsum wurde der Konsum harter Drogen natürlich in keiner Weise eingeschränkt. Lediglich die Möglichkeiten, über Cannabiskonsum auch harte Rauschgiftkriminalität zu ermitteln, wurde abgeschafft. Die Polizei fängt gar nicht erst an zu ermitteln. Drogenkriminalität ist in der PKS ein einziges Dunkelfeld. Wir Seniorinnen und Senioren sind durch "zugedröhnte“ Drogenabhängige und als Opfer von Beschaffungskriminalität unmittelbare Betroffene. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann verdächtiges Verhalten beobachten.
Selbst das Bundeskriminalamt hat wegen der PKS ein schlechtes Gewissen
Die Statistiker vom BKA scheinen selbst ein schlechtes Gewissen zu haben, in welcher Form die PKS das Kriminalitätsgeschehen abbildet oder wie sie in der Öffentlichkeitsarbeit gebraucht wird. Deshalb gibt es eine regelmäßige Untersuchung, in der auch das Dunkelfeld untersucht wird, in der Befragung zur Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2026 (SKiD 2026). Die Ergebnisse sind öffentlich. Über das SKiD-Dashboard können Bürgerinnen und Bürger Daten und Auswertungen zu Kriminalitätstrends direkt im Internet einsehen.
Befragung zu Gewalt und Rohheitsdelikten (LeSuBiA)
Aber auch die Dunkelfelduntersuchungen sind kritisch zu betrachten. Wie viele Statistiken unterliegen sie der Gefahr der Auslegung im Sinne der Aufraggeber – neudeutsch "Framing“. So gibt es eine Dunkelfeldbefragung bis Januar 2025 zur Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA) über Gewalt in Deutschland. Vielleicht kann die Untersuchung helfen, wie man den kräftigen Anstieg der sogenannten "Rohheitsdelikte“ bekämpfen kann. Die Ergebnisse können im Internet eingesehen werden.
Die PKS soll der Polizei helfen, ihre Kräfte sinnvoll einzusetzen
Wie in jedem Jahr versucht die Polizei mit den Ergebnissen das Sicherheitsgefühl zu verbessern und die Bürger aufzuklären. Deutlich ist zu spüren, dass die Polizistinnen und Polizisten stolz auf ihre Arbeit sind. Weil sie wissen, wie die Statistik entsteht, sollten sie auch selbstkritisch sein. Die PKS soll natürlich eine Grundlage für die weitere gezielte polizeiliche Arbeit sein. Die Polizei kann nicht alles machen, aber sie kann Schwerpunkte setzen.
Straftaten beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl
In Helmstedt gab es im Frühjahr bewaffnete Überfälle in Wohnungen, Raubüberfälle zur Tageszeit in der Innenstadt und im Lappwald, Messerstechereien, Brandstiftungen in der Innenstadt, Sprengung eines Fahrkartenautomaten am Bahnhof und hundertfache Graffiti-Schmierereien im Stadtgebiet.
Das beunruhigt uns Seniorinnen und Senioren!
Polizei setzt Schwerpunkt auf Verkehrsüberwachung
Unmittelbar nach der Verkündigung der PKS, veranstaltete die Polizei in Niedersachsen eine Schwerpunktwoche zur Geschwindigkeitsüberwachung. Die Verkehrssicherheit ist wichtig, Sie ist aber nicht der richtige Schwerpunkt zur Verbesserung unseres Sicherheitsgefühls.
01.06.2026
Beitrag von Wolfgang Schmidt
Seit dem 02.06.2026 wurde diese Seite 146 mal aufgerufen.