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Tourismus im Landkreis Helmstedt

Glänzende Zukunft oder ein Weg in die Altersarmut

Der Tourismus im Landkreis Helmstedt steckt derzeit in den Kinderschuhen. Im Jahr 2023 verzeichnete die Stadt Helmstedt 2946 Gästeankünfte, die insgesamt 5540 Übernachtungen buchten. Das sind weniger als 16 Übernachtungen pro Tag. Statistisch verbrachte jeder Gast weniger als 2 Tage in unserer Stadt.

Viele touristische Attraktionen sind bereits vorhanden. Sie reichen für den klassischen Jahresurlaub von Einzelpersonen oder Familien bei der aktuellen Vermarktung nicht aus. Die Sehenswürdigkeiten sind mit dem eigenen Pkw schnell besucht.

Der entstehende "Lappwaldsee“ und der "Elmsee“ sind inzwischen Gewässer unter vielen. Vom Potential bestenfalls geeignet als Naherholungsziel in der Region. Überall in der Bundesrepublik entstehen Bergbaufolgelandschaften, die Dank großzügiger Förderung weiter fortgeschritten sind und einen größeren Mehrwert, als die Tagebauseen im Landkreis Helmstedt, bieten.
Dennoch erreichen diese voll erschlossenen Gebiete lediglich einen Saisonbetrieb, wie uns bei einem Besuch des "Concordiasees“ bei Nachterstedt berichtet worden ist. Wohlhabende Menschen haben sich Seegrundstücke gesichert und darauf ihre Häuser und Wohnanlagen errichtet und die Anlegeplätze im Jachthafen besetzt.

Schöner Wohnen in hoch subventionierter Umgebung.

Touristisch gesehen gibt es in unsere Region nur eine Sommersaison. In der übrigen Zeit fallen viele der abgelegenen Einrichtungen dem Vandalismus zum Opfer. Wer bezahlt die Schäden? Uns wurde berichtet, dass verzweifelt versucht wird, die Sommersaison zu verlängern. Dafür werden schon mal Umweltauflagen z.B. für einen Campingplatz großzügig ausgelegt.

Von dem Ausbau der ehemaligen Tagebaugebiete in Sachsen-Anhalt können wir nur träumen. Unsere Verantwortlichen der ehemaligen BKB haben sich offensichtlich durch Besitzerwechsel ihren Verpflichtungen ins ferne Ausland weitgehend entzogen. Die Öffentliche Hand übernimmt nur ganz bedingt diese Aufgabe. Förderungen z.B. über "Grünes Band“, LEADER und LINGA-Wochen sollen helfen. Der Seniorenbeirat der Stadt Helmstedt hat sich nach Kräften in den Prozess eingebracht. Dabei haben wir einige Illusionen verloren.

Das Rentenniveau ist in unserer Region durch die Industriearbeitsplätze der ehemaligen BKB und der Volkswagen AG noch relativ hoch. Aber wie wird es bei den zukünftigen Generationen sein? Arbeitskräfte im Tourismus sind schlecht bezahlt. Selbst Vollzeitbeschäftigte (Stand 2023) z.B. Köche und Kellner verdienen im Durchschnitt knapp 2370.-€ brutto. Im Zimmerservice wird ein Monatsverdienst zwischen 866.-€ und 1.833 € brutto gezahlt. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist sehr hoch. Erfahrungsgemäß werden dabei viele zukünftige Arbeitsstellen auf die Sommersaison beschränkt sein. Statistisch gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr monatliches Nettoeinkommen unter 1378.- Euro - entspricht etwa 2000.- € brutto - ist.

Mit diesen Einkünften kann eine Familie kaum versorgt werden. Weil am Monatsende nichts übrig bleibt, ist eine private Altersvorsorge kaum bezahlbar. Unsere Beispiele Koch und Kellner müssten sich nach derzeitigem Stand nach 45 Beitragsjahren beinahe exakt mit einer Altersrente im Armutsbereich begnügen – wohlgemerkt bei Beschäftigung im gesamten Jahreszeitraum.

Als alter Mensch fragt man sich, ob die Zukunft unserer Region wirklich im Tourismus liegt.

Der Seniorenbeirat befürchtet: "Beim derzeitigen Rentensystem ist die Altersarmut unvermeidbar“ .

Der Landkreis und die Stadt Helmstedt haben das Problem erkannt und bemühen sich, die zu Tausenden weggefallenen Industriearbeitsplätze zu ersetzen. Sie versuchen Gewerbeflächen zu vermarkten und damit gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Weiter so um auch dem Tourismus eine Chance zu geben.

 

Beitrag und Bild: Wolfgang Schmidt

Seit dem 04.08.2025 wurde diese Seite 27943 mal aufgerufen.

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